So werde ich DFB-Präsident

von Bernd Sautter -

Statt Bulletin lest ihr heute meine Bewerbung als DFB-Präsident, die ich kürzlich abgeschickt habe. Ziemlich niveaulos, oder? Damit sollten meine Chancen gut stehen, was meint ihr? Bis auf meine üblichen Rechtschreibfehler gibt's doch nichts auszusetzen. Und die sind ja unerheblich, schließlich hab ich bald ein paar Sekretärinnen, die sich um solche Sachen kümmern.

Sehr geehrte D...   Herren, liebe Fußball-Mafia,

bezugnehmend auf die aktuelle Suche nach einem präsidierenden Komplizen für ihren ach so gemeinnützigen Verein bewerbe mich als gummiweicher Grüßaugust.

Ich versichere Ihnen, keine weiterführenden persönlichen Interessen zu verfolgen, damit sie im Hintergrund ungestört die Ausbeutung des Amateurfußballs fortsetzen können. Im Zuge einer innovativen Gewaltenteilung, die sich compliance-technisch bestens vermarkten lässt, würde mich mit einem überschaubaren Gehalt von einer halben Million jährlich zufrieden geben. Die genannte Entlohnung gewährleistet meine Unabhängigkeit, so dass Sie selbst allfällige Termine in der Schweiz, in China oder im Nahen Osten wie gewohnt wahrnehmen können. Schließlich gibt es dort das Zigfache zu verdienen. Das gilt auch für die Flugreisen auf kleine Karibikinseln, nach Afrika und zu anderen Oligarchen. Auf meine Flugangst können sie sich verlassen. Unter meiner Präsidentschaft sind sie sicher, dass ich ihnen nichts streitig mache.

Da mich im Vergleich zum vorigen DFB-Präsidenten noch weniger Menschen kennen, schätzen oder irgendwie ernst nehmen, bin ich dafür prädestiniert, das hohe Amt zu Ihrer vollsten Zufriedenheit zu begleiten. Außerdem bin ich von Natur aus männlich, was ihnen helfen könnte, an Ihren bisherigen Vorstellungen von Chancengleichheit festzuhalten. Darüber hinaus hasse ich Armbanduhren, weil sie die schweren Dinger am Handgelenk extrem lästig werden können. Sie dürfen davon ausgehen, dass ich meine Grüßaugustfunktion erfüllen werde, bis ich hochalt werde. 

Auftritte in der Öffentlichkeit sind mir übrigens lästig. Ich würde diese sogenannten Interviews nur auf Ihre Weisung wahrnehmen. Der Vorteil liegt ganz bei Ihnen. Sie müssen nicht befürchten, sich fremdzuschämen. Auch bei Themen wie Migration, Rassismus, rechter Unterwanderung oder Korruption kenne ich mich kein bisschen aus. Mein konservatives Weltbild verbietet mir über derlei Dinge nachzudenken. Ist ja auch noch nicht notwendig. Schließlich weiß ja jedes Kind, dass damit alles bestens steht in Deutschland und in seinen Stadien. Deshalb würde ich mich auf keinen Fall in gesellschaftliche Diskussionen einmischen und damit die altbewährte Maulwurfstrategie Ihres Hauses fortsetzen. Statt dessen würde ich als erfahrener Werbekonzeptioner eine Reihe unaussprechbare Hashtags in die Welt setzen, und damit Modernität und Handlungsschnelligkeit perfekt vortäuschen.

Meine schlechte Ballmitnahme und fehlender fußballerischer Sachverstand soll Ihnen gewährleisten, dass ich mich aus den sportlichen Belangen komplett heraushalte. Außer einigen Pressebildern mit Nationalspieler, auf denen ich herzlich in die Kamera lächle, wird die bisherige sportliche Führung keinerlei Notiz vom mir nehmen.

Gerne weise ich darauf hin, dass ich keine Probleme habe, bei der Imagekorrektur von Betrügerfirmen wie VW, tiefenkorrupten Sportartiklern wie adidas oder rechtsoffenen Getränkekonzernen wie Red Bull mitzuwirken. Wenn's sein muss, nehme ich sogar öffentlich einen Schluck aus einer Red Bull Dose. Als Werbertexter weiß ich, dass man nicht alles ganz genau wissen muss, um gute Arbeit abzuliefern. Mein Leben mit der Lücke verbessert sich übrigens täglich. Denn die Lücken werden größer. Das Alter, sie kennen das aus Ihrer eigenen Erfahrung. Das zunehmende Vergessen gerade beim Engagement für den Amateurfußballern hilfreich, wenn man sich an seine eigenen Ziele partout nicht mehr erinnert. Apropos vergessen. Auch dieses lästige Nachbohren der Presse wegen der frei erfundenen Affaire um die WM-Vergabe 2006 werde ich ins Leere laufen lassen. Diese schwierigen Zusammenhänge verstehe ich sowieso nicht.

Ach... eines würde ich vielleicht selbst anpacken, Ihre Zustimmung vorausgesetzt. Sind Sie nicht auch der Meinung, dass wir noch mehr leere Werbekampagnen benötigen, zum Beispiel für Schiedsrichter, für Amateure, für Fairplay oder andere Orchideenthemen? Der unbedingte Aktionismus auf plakativer Ebene würde uns auch in der Zukunft wirksam davor bewahren, tatsächlich auf diesen Feldern aktiv zu werden. Die Kampagnen werden uns helfen, die lächerliche Gemeinnützigkeit zu behalten, über die wir uns seit Jahren kaputtlachen.

Um meine Inthronisation so unkompliziert wie möglich zu gestalten, freue ich mich, Ihre Taskforce "DFB first" hier in meinem großzügigen Räumen zu begrüßen. Sie finden das Besprechungszimmer gegenüber des Saunaklubs. Pünktliches Erscheinen ist nicht notwendig.

Mit altkameradschaftlichen Grüßen
Ihr Bernd Sautter

PS. Meine "offizielle" Wahl durch die Delgierten darf als gesichert gelten. Wenn Sie mich in guter demokratischer Tradition als einzigen Kandidaten vorschlagen, bleibt den Delegierten (überwiegend Amateure wie ich einer bin) überhaupt nichts anderes übrig als mich zu wählen, gell

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