Das Löwen-Dilemma

von Bernhard Ubbenhorst -

"Size matters!" - Immer wieder gern wird die Leistungsfähigkeit und Potenz mit dem Faktor Größe verknüpft. Nimmt man in der zweiten Liga die Stadiongröße als Maßstab, haben die traditionsreichen Sechziger Löwen den Meistertitel schon so gut wie in der Tasche. 75.000 Löwen-Fans hätten in der "blauen" Allianz-Arena bei den Heimspielen theoretisch Platz. Doch seit Jahren verlieren sich nur wenige Tausend in dem großen Oval, meist um ihre Löwen dort verlieren zu sehen. Sie geben stets alles, doch es reicht einfach nicht. So wie ein alter Bekannter, ein Zimmermann aus Polen, es auszudrücken pflegte, wenn auf dem Bau mal wieder etwas völlig daneben ging: "Kann ich nix machen, habe gekämpft wie Löwe, bin gestorben wie Maus."

Das war bei den Löwen früher schon mal anders. Etwa am 1. April 1977, als im Münchner Olympia-Stadion 77.573 Zuschauer zusammen kamen, um den Tabellenführer TSV 1860 München gegen den Tabellenzweiten und späteren Meister VfB Stuttgart zu sehen. Es war ein langweiliges, torloses Remis, obwohl mit Ottmar Hitzfeld in Rot und Peter Falter in Blau zwei Top-Torjäger zur Verfügung standen. Dieser Zweitliga-Zuschauerrekord wird mangels Stadien in dieser Größe vermutlich für die Ewigkeit Bestand haben.

Ein ähnliches Szenario käme den beiden Clubs gegen Ende der kommenden Zweitliga-Saison sicher sehr gelegen, wird aber für die Sechziger mit großer Sicherheit ein Traum bleiben. Der VfB gehört dagegen als Absteiger zusammen mit Hannover und den Top-Anwärtern der letzten Saison - Nürnberg, St. Pauli, VfL Bochum und Union Berlin - auf jeden Fall zum Favoritenkreis. Dazu noch die Lauterer, die gegen Ende der letzten Saison jedoch etwas zurückfielen und auch Karlsruhe, Braunschweig, Fürth und vielleicht sogar Aue könnten bei der Vergabe der ersten drei Plätze eine gute Rolle spielen.

Kaiserslautern überlegt derzeit Miroslav Klose als Königs-Transfer zum Betze zu lotsen, was ein Plus sein könnte, aber angesichts seines Alters von 38 Jahren sehr optimistisch erscheint. Thomas Gries, der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern kommentierte das mit dem ebenso putzigen wie vollkommen sinnfreien Spruch: "Ich wäre mit Puder gepudert, wenn ich das nicht zumindest probieren würde." Aber für einen ehemaligen Marketingdirektor von Coca-Cola ist das ja vielleicht sogar ganz passabel.  

Gertjan Verbeek vom VfL Bochum wünscht sich auch so einen Königs-Transfer für seine Sturmreihe, seit ihm der treffsichere Simon Terodde von der Fahne gegangen ist, der nun den Stuttgartern zeigen soll, wo genau die Kiste steht. Verbeek, auch der "Zauberer von Jubbega" genannt, setzt nun auf den nicht ganz so treffsicheren Peniel Mlapa und auf Nils Quaschner, einen Leihstürmer von RB Leipzig. Verbeek versteht es ja angeblich sehr gut, mit wenigen Mitteln viel zu erreichen. Bei den Stuttgartern war es in den letzten Jahren genau anders herum. Mal sehen, wie sich das auf Teroddes Torriecher auswirkt. 

Ewald Lienen hatte mit St. Paulis Sturm ein ganz ähnliches Problem: mit Lennart Thys verlor er einen Forward, konnte aber die Lücke mit Marvin Ducksch von BVB II und Aziz Bouhaddouz, der nun den Sandhäusern vorne fehlt, sehr vielversprechend schließen.

Dass in der Zweiten vor allem die Stürmerpositionen in den Vordergrund gerückt werden, hat einen guten Grund: Abwehrkampf können die Alle (sagen wir mal bis auf die Sechziger), vorn im Sturm kommt es auf den gewissen Unterschied an.  

Apropos Kampf: St. Paulis neue Ausrüster-Marke "Under Armour" passt zum pazifistischen Club-Image in etwa so gut wie der Camouflage-Look zu einem Nonnen-Habit. Wetten, dass der Schuss irgendwann nach hinten los geht? 

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