Propheten unterfordert

von Bernd Sautter -

Die Propheten können sich bereits locker zurücklehnen

Vom Start weg läuft die Liga in eine Richtung, die selbst orientierungslosen Propheten bekannt erscheint. Das prophetische Bulletin des 1. Spieltags schwimmt daher entschlossen gegen den Strom.

Ach nee, welch vorsaisonales Ballyhoo! Countdown. Trommelwirbel. Werbekampagnen. Högschde Erwartungen. DFL-Manager Christian Seifert unternahm alles, um die Bundesliga so wirkungsvoll zu vermarkten, wie nur irgend möglich. Bundesligisten tourten durch Amerika und China. Schalke übte gegen Guangzhou Evergrande und DSC Wanne-Eickel. Lahm übte sich charakterstarken Aussagen und in Baseball. Spannend sei sie, unsere Paradeliga. Hochklassig sowieso. Und ausgeglichen auch. 

Ausgeglichen? 

Mal ehrlich: Kein bißchen. Von wegen Chancengleichheit. Statt reißerischen Ankündigungen hätte DFL-Boss Seifert mindestens verhindern müssen, dass Bayern im ersten Heimspiel auf Werder trifft. Schon am ersten Spieltag erscheint die Tabelle bestens vertraut. Bayern vorne. Gladbach und Dortmund auch vorne. Schalke verdaddelt es gleich wieder. Leverkusen wird höchstens Vize. Högschdens. Und das Tabellenende wird von den Sympathieträgern aus Darmstadt und Bremen bewacht. Wie sagte es sky-Kommentator Kai Dittmann, als Aubameyang ins Mainzer Tor traf: "Man hätte kein Prophet sein müssen, um seine Torgefahr vorauszusagen". Leider gilt das nicht nur für Aubameyang. Die Vorhersehbarkeit gilt für gesamte Liga. Hertha gewinnt nach unattraktivem Spiel knapp mit Eins zu null. Robben ist langzeitverletzt. Unsere Tippgemeinschaft ist definitiv unterfordert.

Island, Leicester, Dundalk, Rostow.  Fußballfans suchen auf der ganzen Welt nach Beweisen, dass es noch möglich ist: Alles nämlich. Im Fußball sei alles möglich, behaupten die Fans. Aber wenn man genau hinsieht, war Leicester City auch kein Verein aus dem Armenhaus. Geld schießt eben doch Tore, sagen die Neunmalklugen, die es schon vorher gewusst haben. Wie gut, dass es die prophetische Plattform gibt – und unseren geschätzten Propheten Helmut Knoll.

Tore scheißen auf Geld. Oder andersrum?

In der letzten Saison hatte Prophet  Knoll seine Prophezeiung streng nach Marktwert eingegeben. In seiner Vorhersage folgte er präzise dem Marktwert der Mannschaften. Entnommen vom unfehlbaren Dienstleister statista.de, der seine Weisheiten nur für gut zahlende Abonnenten bereit hält. Und wo ist Prophet Knoll am Ende der Saison gelandet: im hinteren Drittel unserer prophetischen Tabelle. Vor allem Darmstadt und Mainz waren es, die sich benahmen, als hätten sie vom kategorischen Geld-schießt-Tore-Diktum noch nie etwas gehört. Doch Prophet Knoll bleibt beharrlich. War die letzte Saison eine einmalige Ausnahme der eisernen Regel? Für einen letztgültigen Beweis ist Marktwert-Prophet Knoll seiner Vorgehensweise treu geblieben. Im Moment liegt er damit im gesicherten Mittelfeld. 

Alles möglich. Zum Beispiel...

Aber was bedeutet eine Tabelle nach dem ersten Spieltag? Eben: Nichts. Am Ende wird Schalke Meister. Leverkusen überraschend... Dritter. Weil Ingolstadt Zweiter wird. Und Werder sichert sich die Möglichkeit, noch in der Championsleague anzutreten. Vorteil im Qualifikationsmodus: Starke Gegner wie Lotte sind ausgeschlossen. Der fünfte Bayern-Platz reicht übrigens erstmals nicht für die Championsleague. Und der Abstieg? Oh! Der HSV. Welch Überraschung. Im Fußball ist eben alles möglich. 


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