Mach Dein Ding!

von Bernhard Ubbenhorst -

In der 1. Bundesliga gab es bereits am 2. Spieltag 2 Trainerentlassungen. Auch einige andere Trainer arbeiten jetzt schon nur noch auf Bewährung. Woran liegt das?

Fußballtrainer ist ein undankbarer Beruf. Spielen die Fußballspieler mal Weltklasse, liegt’s an ihnen selbst, spielen sie die Woche darauf wieder Kreisklasse, liegt‘s natürlich am Trainer. Falsche Taktik, schlechte Vorbereitung, zu viel oder zu wenig Training, schlechte Kommunikation oder Belastungssteuerung und, und, und. Der Erklärungsfundus an Schuldzuweisungen für schlechte Fußballleistungen zu Lasten des Trainers ist unerschöpflich. Kurz und gut: Wenn’s nicht läuft, ist der Trainer immer der Arsch. Augen auf bei der Berufswahl, möchte man da junge Menschen warnen, die sich diesen Fußballtraumberuf auserkoren haben.

Auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit wird das Berufsbild und der Aufgabenbereich eines Fußballtrainers in aller Kürze vorgestellt. „Fußballtrainer/innen bereiten Fußballmannschaften auf Spiele vor. Sie vermitteln praktische Fähigkeiten und theoretische Kenntnisse, erstellen alters- und leistungsgerechte Trainingspläne, leiten Übungseinheiten und betreuen die Mannschaft während des Spiels.“ Easy! Genau mein Ding, dachten sich damals vielleicht auch Lothar Matthäus oder Mario Basler oder Thorsten Legat und viele andere Flitzpiepen, die dann hinterher ganz schnell lernen mussten, dass doch noch einiges mehr an Anforderungen zu diesem Beruf gehört. Wie etwa Erfahrungen in Strategie, Psychologie und Management, ein gerütteltes Maß an Fußball-, Fremdsprachen- Kommunikations- und Medienkompetenz, natürlich ein unbegrenztes Selbstvertrauen, ein großes Durchhaltevermögen, ne Stange Geld für die Ausbildung und dazu, das Allerwichtigste, Glück! Ganz objektiv gesehen.

Subjektiv gesehen, ist das Anforderungsprofil schlicht überirdisch und nicht zu erfüllen. Doch subjektive Sichtweisen verbieten sich für Fußballtrainer ohnehin. Wie der berühmte Fußballlehrer Erich Ribbeck es einmal treffend formulierte: „Ich kann es mir als Verantwortlicher für die Mannschaft nicht erlauben, die Dinge subjektiv zu sehen. Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, dann werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven, subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen.“ Übersetzt heißt das objektiv in etwa: „Mach Dein Ding! Diskutiere niemals mit Idioten! Erst recht nicht, wenn es Deine eigenen Spieler sind!“ Diesen Ratschlag zu befolgen, ist für Trainer heutzutage nicht allzu leicht. Erst recht nicht, wenn es gerade nicht läuft.

Für die Herren Beiersdorfer in Mainz und Wagner auf Schalke ist diese Saison, die ja nun mal gerade erst angefangen hat, bereits schon wieder beendet. Für David Wagner auf Schalke kam das vermutlich nicht allzu überraschend. Ein Saisonstart mit 0 Punkten und 1-11 Toren nach zwei Spielen und einer saisonübergreifenden Bilanz von 18 nacheinander nicht gewonnenen Spielen ist in der Tat ein rekordverdächtig schlechtes Arbeitszeugnis für einen Trainer. Da hilft es auch nichts, dass die Bilanz der 16 Spiele davor recht erfolgreich ausgefallen war. Aber, woran hat es gelegen? Olaf Thon beantwortete diese Frage bei anderer Gelegenheit einmal sehr vielsagend nutzlos so: „Ja gut, ich sag mal so: Woran hat´s gelegen? Das ist natürlich die Frage und ich sag einfach mal: Das fragt man sich nachher natürlich immer!“ Viel mehr fällt den Verantwortlichen auf Schalke zu Wagners Entlassung aber heute auch nicht ein.

Die scheinbar richtige, da meistkolportierte Antwort liefern seit über einem halben Jahr die Revolverblätter Bild und Sportbild anlässlich jeder Schalke-Pleite und die Spritzpistolenblätter im Ruhrgebiet beteten es brav nach: Wagner hat keinen Plan B! Das Zitat legte die Springerpresse mal dem Experten und mal dem in den Mund. Was dieser ominöse Plan B sein sollte, blieben auch diese Experten schuldig. Wenn eine ersatzgeschwächte Mannschaft von einem auf den anderen Spieltag mit einem zuvor erfolgreichen Plan A plötzlich überfordert ist, passiert, was immer passiert, wenn das Leistungsniveau sinkt. Es läuft nicht mehr. Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß. Wagner hatte durchaus einen Plan B, nur dass darin mangels geeigneter Stürmer, das Tore schießen nicht mehr vorkam. Mal sehen, ob der neue Trainer einen guten Plan C für die nahezu baugleiche Truppe in petto hat.

Bei Achim Beierlorzers Entlassung dürfte sich mit der Personalie Adam Szalai das in Fußballanalysen berühmte „Momentum auf seiner Seite“ plötzlich auf eine andere Seite verflüchtigt haben. Eine Mannschaft, die wegen einer Personalentscheidung ihres Trainers geschlossen den Streik ausruft, ist für diesen Trainer schlichtweg untrainierbar geworden. Da kann der Trainer noch so viele Pläne in der Tasche haben. Aber woran hat es gelegen? Und auch hier gilt, wie übrigens auch für Pep Guardiola, dem kürzlich von Kevin de Bruyne vorgeworfen wurde, keinen Plan B zu haben, Erich Ribbecks goldene Regel: „Mach Dein Ding! Diskutiere niemals mit Idioten! Erst recht nicht, wenn es Deine eigenen Spieler sind!“ Sonst bist Du als Trainer schneller draußen, als Dir lieb ist.

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