Schließt die nationalen Fenster

von Bernd Sautter -

Wer mag noch Nationalmannschaft gucken? Das war schon vor Corona und Sechszunull kein Spaß. Eine Analyse mit einsfuffzich Metern plus einer Woche Abstand.

Covid ist tödlich. Sogar in seinen Nebenwirkungen. Wir Fans müssen das wissen. Es geht ja nichts dieser Tage, nicht in den Kneipen und gleich gar nicht in der Kultur. Also waren wir förmlich gezwungen, unsere Abende mit der Nationalmannschaft zu verbringen. Dabei wissen die kleinen und die großen Kinder: Langeweile kann tödlich sein. Man musste einen Kleinlaster beim Getränkemarkt vollgepackt haben, um sich das Gekicke schön zu trinken. Oder man mogelte sich zu guter Laune. So wie es Prophet Prechtl vorbildlich getan hatte. Der empfand tiefe Dankbarkeit, weil ihn die Mannschaft einen Abend lang abgelenkt hatte von Nazis, Querdenkern und anderen Kotzbrocken, mit denen man gerade medial konfrontiert ist. Hach, wie schön. Null zu Sechs. Ein Stück Normalität. Fans von Köln, Schalke und Hertha lehnten sich genüsslich zurück. Alles wie immer. Im Westen nichts Neues, wenn Traditionsmannschaften kicken. Quality Football made in Germany. Not amazing since 1908.

Auch die Nachbesprechungen offenbart die üblichen Muster. ARD-Schwatzbase Opdenhövel betet das Trio Müller-Boateng-Hummels rhyhthmischer als Stefan Remmler Da-Da-Da stottern kann. Der scharfe Analytiker Matthäus spürt in seinem kleinen Zeh, wie der "Drainer" die Mannschaft nicht erreicht. Matthäus kann bekanntlich seit klein auf mit dem Fuß denken. Leider mit nichts anderem. SZ, FAZ und die Anderen klappern die Löw-Nachfolger ab von Rangnick bis Wenger. Weißbier-Waldi blamiert sich mit einer Absage an eine Frau im höchsten deutschen Amt. "Dafür ist Deutschland nicht bereit. Und ich auch nicht."

Der Unsinn des Blasenhoppings

Längst erkennt man Hardcore-Fans daran, dass sie die Nationalmannschaft boykottieren. Sie haben gute Gründe. Sie entgehen tödlicher Langeweile. Sie kassieren keine Anzeige wegen Unterstützung korrupter Fußballverbände. Sie konzentrieren sich auf Vereinsfußball, weil dieser filigraner und emotionaler daher kommt, sogar in Geisterstadien. Den Fans wird die Unlust auf die Nationalmannschaft zugestanden. Den Profis nicht. Warum eigentlich?

Kroos, Ginter, Gnabry sind ja auch nicht doof. Gündogan kann vom eigenen Körper berichten, was Covid anrichtet. Die abgrundtiefe Sinnlosigkeit der angesetzten Spiele wird niemandem entgangen sein. Man sollte niemandem verübeln, wenn die Motivation nach unten durchsackt. Adler hin, Kohle her. Das aufgezwungene Blasenhopping drückt nicht nur auf die Blase, sondern auch auf den Verstand. Verständlicherweise. Bei Freundschaftsspielen hagelt es Absagen wegen vermeintlich gravierender Blessuren. Doch beim Ausflug nach Sevilla hatte Markieren nicht gegolten. Löw und seine Jogis hatten "beste Elf" ausgerufen. Der Mannschaftsgeist ruft. Die Gerufenen folgten. Anwesend war sie allerdings weniger geistig, eher nur körperlich. Überspielt, sinnlos und leer. Aus nachvollziehbaren Gründen. Zwei Dinge kamen erschwerend hinzu. Erstens: Die Deutschen verfügten nicht über eine Passmaschine, die man 90 Minuten auf Autopilot stellen kann und zumindest für den Fall ein 6:0 garantiert, wenn kein Gegner auf den Platz steht. Zweitens: Der kleine Kimmich fehlte. Der aus der Sippe des Ehrgeizings Kahn stammende Giftzwerg hätte seine Mitspieler solange genervt, bis sie jeden Gedanken an Sinn und Unsinn von Länderspielen hätten fahren lassen.

Lieber Horrheim gegen Gündelbach

Image-Experten taxieren den Ruf des DFB inzwischen auf Höhe von Wirecard. Der Mannschaftsgeist erscheint flüchtiger als Jan Marsalek. Logische Konsequenz: Stellen wir besser die Rettungsmaßnahmen ein und zerschlagen die Bande. Von den einwöchigen nationalen Länderspielfenstern hat niemand was. Guten Fußball gibt's eh nur mit eingespielten Mannschaften. Lassen wir also zwei Monate im Sommer für Turniere übrig. Mehr nicht. Damit bleibt den Jogis dieser Welt genügend Zeit, die eigene Reihen einzuspielen. Mehr Länderspiele braucht es nicht. Nationales Denken gehört sowieso auf den Scheiterhaufen. das gilt auch für die wichtigste Sportart Europas. Die Liga-freien Wochenenden sollte man allerdings beibehalten. Eben nicht für Deutschland gegen Ukraine opfern. Sondern für SV Horrheim gegen FC Gündelbach. Einmal im Monat das Fenster für die Kreisklasse öffnen. Das Motto bleibt unverändert: "Deutschland, Deine Amateure."

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